KONGRESS-TAGEBUCH

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Mittwoch, 16. Juni 2010

2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer feiern den Beginn ihres Weltkongresses. Foto: Hans D. Beyer
Vom Weltkongress berichten:

Peer Brocke, Kerstin Heidecke und Jürgen Reuter (Text)
Hans D. Beyer (Fotos)
arbeitsgemeinschaft behinderung und medien - abm, München (Film)

Einen ausführlichen Bericht zeigt auch das ZDF in seiner Sendung "Menschen - das Magazin" über den Weltkongress. Das Fernsehen begleitete Ramona Günther, behindertes Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe, und Bernd Frauendorf, Sprecher des Rates behinderter Menschen in der Lebenshilfe, nach Berlin. Die beiden Selbstvertreter machen in dem Beitrag eine gute Figur. Hier können Sie sich Menschen - das Magazin vom 19. Juni anschauen.
Eine der Süßen Frauen aus Bremen (Deutschland) tanzt mit einer Kongress-Teilnehmerin Tango. Foto: Hans D. Beyer
19.30 Uhr: Mit dem Empfang geht ein langer Tag Ende - mit spannenden Gesprächen und lebhaften Diskussionen. So hält sich Diane Richler in ihrer Begrüßung nicht mit langen Reden auf, sondern fordert die Gäste schlicht auf: "Have fun". Und Spaß haben alle Teilnehmer. Dafür sorgen nicht zuletzt die Süßen Frauen vom Bremer Blaumeier-Atelier, die die Gäste mit Pralinen und charmanter Moderation unterhalten. Auch die geistig behinderten Künstler vom Theater Maatwerk aus den Niederlanden tragen mit Spielszenen und kleinen Gags zur guten Laune bei. 
Man lernt sich kennen beim abendlichen Empfang. Foto: Hans D. Beyer
Maatwerk aus Holland sorgte auch beim Empfang wieder für gute Stimmung. Foto: Hans D. Beyer
Für Bewegungs-Hungrige gab es am Nachmittag einen Tanz-Kurs. Foto: Hans D. Beyer
16.00 Uhr: Lebhaft und leidenschaftlich wird während des Workshops zur Einführung in die UN-Konvention diskutiert. Selbstvertreter aus vielen Ländern nutzen die Chance, ihre Fragen an die Experten loszuwerden. Im Mittelpunkt der Diskussion: der Artikel 12 der Behindertenrechtskonvention. "Menschen mit Behinderung dürfen über ihr Leben selbst bestimmen. Aber damit das klappt, müssen einige Dinge gleichzeitig passieren", darüber sind sich alle einig. Dazu gehöre es, dass die Länder ihre nationalen Gesetze ändern. Aber auch, dass es gute Beispiele gibt, wie Inklusion aussehen kann, wie die Selbstvertretergruppe aus Österreich fordert: "Damit können wir der Gesellschaft zeigen: Seht her, so kann es gehen."
13.50 Uhr: Die Worte von Frau von der Leyen haben auch dem Selbstvertreter Herbert Nottrodt gut gefallen. Zum Beispiel, dass es nie wieder Sätze geben dürfe wie: "Der darf hier nicht mitmachen, der ist behindert." Schon dafür habe es sich für ihn gelohnt, dass er bereits gestern aus dem Main-Kinzig-Kreis nach Berlin angereist ist. Für Herbert Nottrodt  ist besonders Arbeit ein wichtiges Thema in Sachen Inklusion. "Deshalb engagiere ich mich auch im Werkstattrat."

„Frau von der Leyen ist sehr überzeugend aufgetreten“, befindet auch Marlene Jostock und Josef Winter von den Barmherzigen Brüdern Straubing. „Besonders als sie sich dafür einsetzte, dass behinderte und nicht behinderte Kinder die gleiche Schule besuchen.“ Bewohnervertreter Winter hofft nun, dass auch durch den Kongress auf die Worte Taten folgen.

„Bei dieser großen Zahl an Teilnehmern hatten wir uns schon auf ein großes Gedränge eingestellt“, gibt Marlene Jostock aus Straubing zu. „Aber dazu ist es gar nicht gekommen. Alles verteilt sich sehr gut.“

Die Besuchergruppe der Lebenshilfe Heiligenhaus fällt schon durch ihre Kleidung auf. Eigens für den Kongress hatten sie sich blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Lebenshilfe Heiligenhaus“ bedrucken lassen. „Eine bisschen Werbung muss sein“, meinte Martina Wirtz. „Und zweitens finden wir uns so viel schneller wieder.“

„Schön und beeindruckend – aber auch viel, viel, viel“, so bewerten Besucher der Lebenshilfe Mettmann die Eröffnungsfeier als sie sich nach dem bunten Kongressauftakt in der Sonne „erholten“.

Dass der Autokonzern Volkswagen – ein guter Partner der Lebenshilfe – den Kongress als Sponsor unterstützt, ist nicht zu übersehen. Neben dem bunten Weltkongress-Logo ist das VW-Emblem auf den Kongresstaschen, Halsbändern und Kugelschreibern zu sehen. Gerd Schmees von Volkswagen-Nutzfahrzeuge Hannover und Raphael Wielki vom Auto-Umrüster AMF-Bruns präsentieren darüber hinaus drei behindertengerecht umgebaute Fahrzeuge im Außenbereich des Kongresszentrums. Und nutzen die Gelegenheit auch zu internationalen Kontakten. Zu den Interessenten an den Fahrzeugen zählt unter anderem Ralf Jones aus Neuseeland.
Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe, dankt Ministerin von der Leyen für deren mitreißende Rede mit einem Blumenstrauß. Foto: Hans D. Beyer
Ulla Schimidt, Bundesgesundheitsministerin a. D. (zweite von rechts), und der Bundesbehindertenbeauftragte Hubert Hüppe (links) gehörten zu den Ehrengästen. Foto: Hans D. Beyer
12.15 Uhr: "Ich finde, alle Kinder müssen in eine Schule gehen." Das sagt unter großem Beifall Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, als sie den 15. Weltkongress von Inclusion International in Berlin eröffnet. Nicht allein der Unterrichtsstoff sei wichtig, sondern auch das, "was die Kinder voneinander lernen". Im Auftrag der Bundesregierung lud sie alle zu einer Reise in Richtung INKLUSION ein: "Nur gemeinsam können wir das Ziel erreichen. Wir wollen nicht, dass sich Menschen mit Behinderung an andere anpassen sollen, sondern dass sie von Anfang an selbstverständlich dabei sind." (Hier die ganze Rede)
Bundeskanzlerin Angela Merkel richtete eine Grußbotschaft über Video-Leinwand an den Kongress. Foto: Hans D. Beyer
Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht über eine Video-Leinwand zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Weltkongresses. Sie gratuliert der Organisation Inclusion International zum 50. Geburtstag und bezeichnet als schönstes Geburtstagsgeschenk das Kongress-Motto: Rechte werden Wirklichkeit". Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sei ein großer Fortschritt, so Merkel. Deutschland gehöre zu den ersten Ländern, die das internationale Vertragswerk im Parlament verabschiedet haben. Die Bundesregierung wolle nun gemeinsam mit Verbänden wie der Lebenshilfe einen nationalen Aktionsplan entwickeln, wie die UN-Konvention mit Leben gefüllt werden könne.
Diane Richler, Präsidentin von Inklusion International. Foto: Hans D. Beyer
Zuvor sind die Ehrengäste, darunter Ulla Schmidt, die frühere Bundesgesundheitsministerin, und Bundesbehindertenbeauftragter Hubert Hüppe, sowie alle 3000 Teilnehmer begrüßt worden von: Diane Richler (Kanada), Präsidentin von Inklusion International, Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe in Deutschland, und drei Selbstvertretern aus dem Präsidium von Inclusion International: Mia Farah (Libanon), Andrew Doyle (Schottland) und Bernd Frauendorf (Deutschland). Moderiert wird die Eröffnung von Selbstvertreter Quincy Mwiya aus Sambia und Ingrid Körner, Präsidentin von Inclusion Europe (Deutschland).
Von links: Diane Richler, Quinci Mwiya und Ingrid Körner. Foto: Hans D. Beyer
Mia Farah, Selbstvertreterin aus dem Libanon, spricht zu den Teilnehmern. Foto: Hans D. Beyer
Mia Farah sagt: "Wir wissen, dass wir Fehler machen. Aber wir können von unseren Fehlern lernen." Sie möchte nicht, dass ihr Leben kontrolliert wird - genauso wie das Leben aller behinderter Menschen auf der ganzen Welt auch nicht von anderen bestimmt werden soll.

Diane Richler: "Wir brauchen Lösungen, die unsere Welt besser machen - für alle Menschen." Sie erinnerte an Nelson Mandela und seinen friedlichen und erfolgreichen Weg gegen die Ausgrenzung der schwarzen Bevölkerung in Südafrika. "Zusammen haben auch wir die Macht, Rechte Wirklichkeit werden zu lassen", ruft sie den Teilnehmern zu.

Diane Richler freut sich über ein schriftliches Grußwort des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon. Auf dem Kongress gibt es einen Stand, wo jeder eigene Botschaften an Ban Ki-moon hinterlassen kann.
Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe. Foto: Hans D. Beyer
"Unser Auftrag als Lebenshilfe in Deutschland ist es, dem Vergessen keine Chance zu geben." Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe, spricht über das "Aus der Geschichte lernen - von der Euthanasie zur UN-Konvention".

Antretter fragt: "Müssen wir uns heute noch Sorgen machen? Müssen wir das Wächter-Amt weiter ausüben?" Seine Antwort lautet: Ja. Als Beispiele nannte er die Sterbehilfe-Diskussion oder die Prä-Implantations-Diagnostik (PID). Wenn hier im Reagenzglas behindertes Leben aussortiert werde, "lehnen wir das ab". Aus der Forschung könnten ethische Probleme entstehen. Die Lebenshilfe fordert daher für Deutschland ein Gesetz, dass die Forschung regelt und die Rechte von Menschen mit geistiger Behinderung berücksichtigt.

Die UN-Behindertenrechtskonvention nennt der Lebenshilfe-Bundesvorsitzende eine Menschenrechtskonvention: "Behindertengerecht ist menschengerecht. Helfen Sie mit, diesen Geist in Ihre Heimatländer und in die ganze Welt zu tragen." (Hier die ganze Rede (doc - 49.5 KB))

Shuaib Chalklen, UN-Sonderberichterstatter über Behinderung in Südafrika, mahnt in seiner Rede: "Ich habe das Gefühl, dass die Stimme der Basis in Afrika schwächer wird. Das darf nicht passieren. Unsere Stimme muss stark sein!" Denn schließlich hätten nicht die Regierungen die UN-Konvention auf den Weg gebracht, "sondern die Menschen mit Behinderung, ihre Familien, in der Behindertenorganisationen vor Ort".
Auch Kuweit ist in Berlin vertreten. Foto: Hans D. Beyer

9.37 Uhr: Im Berliner Estrel Hotel treffen immer mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Heute geht es endlich los! Der 15. Weltkongress von Inclusion International beginnt . Erstmals findet ein solcher Kongress in Deutschland statt. 3000 Menschen mit und ohne Behinderung aus mehr als 80 Ländern haben sich angemeldet. So viele waren es noch nie.
Zur Eröffnung spricht Bundesministerin Ursula von der Leyen, die noch vor zwei Wochen als neue Bundespräsidentin im Gespräch war. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird über Video-Leinwand eine Grußbotschaft an die Teilnehmer richten.

Die Gruppe Maatwerk aus Holland begrüßte die Teilnehmer mit Musik. Foto: Hans D. Beyer
Die Fahnen werden in den großen Saal gebracht. Foto: Hans D. Beyer
 
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Organisation:
Bundesvereinigung Lebenshilfe
 
Autor:
Pressestelle
 
Veröffentlichung:
16.06.2010, 14:28Uhr
 
Herzlich willkommen in Berlin! Foto: Hans D. Beyer
 
 

Der Weltkongress
im Fernsehen und Radio

Voraussichtliche Sendetermine:

RBB Info-Radio

Mittwoch, 16. Juni
Reportage: 7.30 Uhr
Nahaufnahme: 10.45 Uhr, Wiederholung: 12.45 Uhr

Deutsche Welle (Hörfunk)
Freitag, 18. Juni

ZDF: Menschen - das Magazin

Samstag, 19. Juni, 12.50 Uhr

3sat: Magazin "Aus anderer Sicht"
im August, der genaue Termin steht noch nicht fest

DSF: Magazin "miteinander"
Samstag, 3. Juli, 11.15 Uhr

 

 

 
 
 
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